Saathoff setzt sich im Wahlkreis Aurich-Emden durch
SPD-Abgeordneter aus Pewsum zieht erneut in den Bundestag ein
Um 19 Uhr brandete im Saal, in dem sich die SPD am Wahlabend im Auricher Kreishaus eingerichtet hatte, Applaus auf. Wahlsieger Johann Saathoff hatte den Raum zusammen mit seiner Frau Sonja betreten. Zwar büßte der „Stimmenkönig“ im Vergleich zur letzten Wahl 2021 deutliche zwölf Prozent ein und landete bei rund 41 Prozent der Direktstimmen im Wahlkreis Aurich-Emden. Doch damit lag der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär in zwei Bundesministerin immer noch sehr weit vor dem Zweitplatzierten Dr. Joachim Kleen, der auf 22 Prozent kam. Er habe den Auftrag von mehr als 63.000 Menschen im Wahlkreis erhalten, Ostfriesland weiter in Berlin zu vertreten, sagte Saathoff. „Das ist ein Ergebnis, was in Deutschland Beachtung finden wird“, so der SPD-Politiker, der wohl wieder eines der besten SPD-Direktstimmenergebnisse bundesweit holte. Er wolle in Berlin auch die Demokratie verteidigen, betonte Saathoff. Dass die SPD bundesweit, aber auch im Wahlkreis deutlich verloren hat, sei ein Ergebnis des „Ampel-Aus“, das eben auch mit der SPD in Verbindung gebracht werde. Ob es nun zu einer Großen Koalition kommen wird, in der Saathoff früher auch schon mitgewirkt hatte, werde man sehen. CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz habe eine Zusammenarbeit zuletzt nicht leichter gemacht, so Saathoff.
CDU-Kandidat: „Können nicht zufrieden sein“
CDU-Direktkandidat Dr. Joachim Kleen betonte, dass die CDU gegenüber der Wahl 2021 in Aurich-Emden spürbar zugelegt habe. „Wir haben aufgeholt. Aber wir können nicht zufrieden sein“, sagte Kleen gleichwohl. Denn die AfD liegt mit 21 Prozent im Wahlkreis nur knapp hinter der CDU. „Die AfD-Stimmen kommen nicht von uns“, betonte Dr. Kleen mit Blick auf die Verluste der SPD. Gleichwohl gratuliere er dem Wahlsieger Johann Saathoff von ganzen Herzen, so Kleen. Der CDU-Mann aus Großheide schaffte es nicht über die niedersächsische CDU-Landesliste in den Bundestag, sein 19. Platz reichte ihm nicht.
Die drittstärkste Kraft im Wahlkreis Aurich-Emden wurde die AfD mit 21 Prozent der Stimmen. „Heute ist ein historischer Tag für unser Land und für all jene, die sich nach echter Veränderung sehnen“, teilte die Vorsitzende der AfD Ostfriesland, Anja Arndt (Nortmoor), mit. Auch in Ostfriesland wachse die Unterstützung für ihre Bewegung, so Arndt. „Die AfD ist gekommen, um zu bleiben. Und was wir heute erleben, ist erst der Anfang“, sagte Arndt. Sie war mit ihrem Mann Arno Arndt, dem Direktkandidaten im Wahlkreis, der 20,2 Prozent der Erststimmen holte, ins Auricher Kreishaus gekommen.
Ebenfalls als Wahlsieger konnten sich die Linken fühlen, die im Wahlkreis 7,5 Prozent holten. Direktkandidat Johann Erdwiens (Südbrookmerland) landete mit 5,8 Prozent sogar vor Gunnar Ott (Grüne, Aurich). „Da haben wir nicht mit gerechnet“, so Erdwiens. Er sprach von einem positiven „Hype“ in den vergangenen Wochen, man habe viele neue Mitglieder gewonnen. Die Linken feierten ausgelassen in ihrem Auricher Wahlkreisbüro mit rund 50 Leuten, wie Erdwiens berichtete.
Gunnar Ott sagte, er habe das eher schwache Ergebnis für die Grünen im Wahlkreis erwartet. Seine Begründung: Das Thema Klimaschutz habe im Wahlkampf kaum eine Rolle gespielt. Es sei alles von der Migrationsdebatte überlagert worden. Er habe das Gefühl, der Wahlkampf sei mehr von Gefühlen als von Inhalten bestimmt gewesen.
Auch FDP-Direktkandidat Hendrik Hartmann (Großefehn) zeigte sich enttäuscht. „Ich hätte mir mehr erhofft“, sagte der junge Kandidat nach seinem ersten Wahlkampf. „Was mich runterzieht, ist das Bundesergebnis. Es ist ein Verlust für die politische Landschaft, wenn die FDP nicht im Bundestag vertreten ist.“
Auch für den parteilosen Einzelkandidaten Detlev Krüger war der Wahlabend im Südbrookmerlander Rathaus eine Enttäuschung. Krüger kam am Ende lediglich auf rund 0,7 Prozent der Stimmen. „Ich bin doch sehr erstaunt, wie sehr es in Richtung AfD ging.“ Die AfD habe mit einem unbekannten Kandidaten, der kaum vor Ort gewesen sei, Erfolge erzielt, so Krüger. „Das ist schon erschreckend.“
Der Direktkandidat der Tierschutzpartei, Diedrich Kleen (Wiesmoor), kam immerhin auf 2,8 Prozent der Stimmen – und landete damit noch vor dem FDP-Kandidaten.